Fallaufnahme
Jeder Mensch ist
ein einzigartiges Wesen. Um die Individualität eines Patienten
kennen zu lernen, braucht es ausführliches, ein- bis zweistündiges
Gespräch (Anamnese). Das homöopathische Mittel wird nämlich
nicht nach der eigentlichen Krankheit verschrieben. Die gleiche
Krankheit kann sich bei verschiedenen Menschen unterschiedlich ausdrücken.
Darum ist für den Homöopathen nicht in erster Linie der
Krankheitsname entscheidend, sondern vielmehr versucht er die eigentümlichen
Symptome just beim aktuellen Patienten zu erfragen. Oft sind dabei
Symptome wichtig, die gar nichts mit der eigentlichen Krankheit
zu tun haben.
Zu einer akuten
Halsentzündungen (Angina) gehört zum Beispiel normalerweise
das Symptom, dass der Patient Schmerzen hat beim Schlucken. Wenn
aber genau diese Schmerzen durch die Einnahme fester Nahrung gebessert
werden, so ist dies ein homöopathisch sehr gut brauchbares
Symptom, weil es aussergewöhnlich ist. Der Homöopath versucht
nun jenes Mittel zu finden, das bei der Arzneimittelprüfung
am Gesunden genau diese sonderbare Schmerz-Verbesserung hervorgerufen
hat.
Der Charakter des
Patienten, seine Lebensgeschichte, sein Ärger und Kummer seine
Freude oder Enttäuschung und die Krankheitsgeschichten aus
seiner Blutverwandtschaft liefern ebenfalls wertvolle Hinweise zur
Mittelfindung.
Der Homöopath
unterscheidet in seiner Behandlung zwischen akut und chronisch.
Eine akute Mittelohrenentzündung bei einem Kleinkind muss mit
einem Akutmittel möglichst rasch gelindert werden. Oft findet
sich beim betroffenen Kind aber eine Anfälligkeit für
eben solche Erkrankungen. Richtige Heilung erfolgt erst dann, wenn
der Homöopath ein Folgemittel verschrieben hat, dass beim Patienten
die bestehende, chronische Empfindlichkeit aus dem Wege räumt
und eine anhaltende Gesundheit mit sich bringt.
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